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Die Geschichte des Hauses.



Eines der ältesten Wirtshäuser im rechtsrheinischen Köln ist - am Rande des Königsforstes und unweit des Strunder Bachs gelegen - das historische Ausflugslokal

„Em Höttche“

in Strunden , seit der Eingemeindung von 1914 Teil des Kölner Vororts Dellbrück. Als Strunden (von Strud = schwellen) 1905 mit den Wohnplätzen Dellbrück, Thurn und Hagedorn zu Dellbrück vereint wurde, gehörte es noch zum Kreis Mülheim am Rhein, im Gebiete des früheren Herzogtums Berg, im Amte Porz, im Gerichtsbezirk Bensberg und dem Kirchspiel Merheim zugeordnet. Für das Jahr 1785, als das Höttche von der Familie Bach als Ausflugs– und Gartenlokal errichtet wurde, verzeichnet das Brüchteverzeichnis des Bachgedinges (Bachgerichtes) eine Besichtigung der „Obersten Strunderbach“ (von Gierath bis Thurn) durch die Bachkommission. Sicherlich wird dieses hohe Gericht mit dem Bachgrafen und dem Bachschultheißen an der Spitze in dem neuen Wirtshaus eingekehrt sein. In diesen Zeiten erforderte die allgemeine Unsicherheit im Lande noch den Einsatz einer dauerhaften Nachtwache (im Herzogtum Berg seit 1602). Die in der Gemeinde Thurn und Strunden der Bürgermeisterei Merheim bestehende, griff in der Nacht vom 18. zum 19. April 1817 eine Mannesperson auf, die - nach der Chronik - einen ruhigen, jedoch anhaltenden Wahnsinn zu haben schien und nur zuweilen vernünftige Reden führte. Zweifellos lässt dies auf einen vorherigen Besuch im Höttche schließen!

Ebenso wird der in Strunden für 1847 bezeugte Nachtwächter Christiana Steinacker genauso regelmäßig im Höttche eingekehrt sein wie sein Nachfolger, der bereits berittene Polizeisergeant Richter in seiner Amtszeit vor dem 1. Weltkrieg. Als das Höttche gegründet wurde, bestand Strunden noch aus ca. 30 Häusern und etwa 250 Einwohnern. Es war das bevorzugte Wirtshaus der Gerichtsschöffen, die in der Schäfferei schräg gegenüber saßen. Mit dem Müllenhof zusammen stellte dieses ein adeliges Lehngut dar und musste dem Herzog von Berg zum Kriegsdienst 1/2 Mann und 1/2 Pferd stellen, die restlichen Hälften wurden wahrscheinlich „Em Höttche“ in bergischen Korn umgesetzt. Wie bevorzugt der Wohnplatz Strunden ist, zeigt vor allem der Umstand, dass hier die ältesten Siedlungsspuren in Mitteleuropa zu finden sind. An der geologischen Geländestufe der Nieder- und Mittelterrasse der Rheinebene, unweit des historischen Mauspfades (Maut‘s Pfad) fanden die Altertumsforscher auf der benachbarten Iddelsfelder Hardt den Nachweis einer Besiedlung nicht nur im Neolithikum (Jungsteinzeit) und Paläolithikum (Altsteinzeit), sondern sogar aus der Zeit des Neandertalers ca. 50.-000 v. Chr. ) und davor!

Man ist also geneigt festzustellen, dass die Strundener und Dellbrücker direkt vom Neandertaler abstammen! Als das Höttche 1785 gegründet wurde, herrschte auch in Strunden noch die Leibeigenschaft. die auch durch die am 15. Juni 1785 erlassene neue Gerichtsverfassung des Herzogs von Berg für die Freiheit Mülheim nicht aufgehoben wurde. Dies geschah erst in der Franzosenzeit unter dem neuen Großherzog von Berg, Joachim Murat, einem Gastwirtssohn aus Südfrankreich (ab 15.3.1806); Mitglied des großherzoglichen Munizipalrats der Mairie Merheim war dieser Zeit Heinrich Növer aus Strunden. Während der Befreiungskriege sah das Höttche durchziehende Soldaten aller Herren Länder: Franzosen, Österreicher, Kosaken, Preußen, Schweden, Hannoveraner, Sachsen und viele andere. Ab 1855 verkehrte hier regelmäßig der Maiverein Strunden, später der Quartett-Verein von 1904, die freiwillige Feuerwehr von Strunden von 1904, der Gesang - und Theaterverein Deutsche Eiche, die Veranstalter des Strundener Kappesfestes, das Tambourcorps von Strunden, die Strundener Möhne, das landwirtschaftliche Casino Thurn-Strunden-Dellbrück (Vorsitzender: Karl Krein), der Kameradschaftliche Kriegerverein Dellbrück-Strunden (Vorsitzender Jakob Burger, Hausdiener) seit dem 1. Weltkrieg gelegentlich auch die glorreichen Dellbrücker Preußen, der Sportverein Adler Dellbrück und in den 70er und 80er Jahren auch der 1. FC Strunden.

Im Jahre 1841 zählte man in der gesamten Bürgermeisterei Merheim 31 Schankwirtschaften, von denen eine das historische Höttche, nach wie vor von der Familie Bach geführt wurde und erst im Jahre 1993 aufgegeben wurde. Legendäre Strundener Bräuche und Feste erfuhren ihren Höhepunkt „Em Höttche“, so das Kappesfest am Erntedankfest mit einem abschließenden Kappes Zoch durch Strunden bis zum Höttche, die Wahl des Maikönigs und seiner Königin in der Nacht zum 1. Mai, das Pingsei Singen am Pfingstmontag und andere Feste mehr. 1959 war die Gaststätte von Klara Merkelbach, genannt et Klärche, angepackt worden; sie führte das kleine Wirtshaus bis 1976, als sie direkt gegenüber die Bürgerstube als eigene Gaststätte neu errichtete. Das Höttche wurde nun von Liesel Bach übernommen, womit die Gaststätte von der Familie Bach wieder selbst geführt wurde. Viele Dellbrücker und Strundener Gäste schätzten an Sommertagen den beliebten Biergarten mit direktem Blick auf die Straßenkreuzung und den Abendhimmel. Die wachsende Zersiedlung Strundens sowie der ständig wachsende Verkehr schnürten das Höttche immer weiter ein. Zeitweilig bedrohte eine Straßenverlegung der Gierather Straße das Höttche in seiner Existenz. So entschloss sich Liesel Bach 1993 schweren Herzens, das Ausflugslokal, das sie zuletzt mit ihrer Schwägerin Renate Bach geführt hatte zu verkaufen. In dieser Phase konnte der im Umgang mit Baudenkmälern bestens erfahrene Dellbrücker Architekt Dr. Bruno Wasser gewonnen werden, der eine völlig neue Konzeption für die Gaststätte entwickelte und unter prüfender Aufsicht des zuständigen Konservators Dr. Hans-Werner Zawisla, zur Genehmigung brachte. Der zwangsläufig entstehende Leerlauf im Betrieb des Lokals wurde dadurch überbrückt, dass übergangsweise zwei bekannte Dellbrücker, Claus Richrath und Markus Wirsching, das Höttche pachteten und es mit weilen jungen Freunden, insbesondere von den J‘UHU‘s (Jugendgruppe der Karnevalsgesellschaft UHU von 1924 e. V.) einen langen Sommer lang führten.

Seine eigentliche Rettung in höchster Not erfuhr das Ausflugslokal jedoch erst als das stadtbekannte Dellbrücker Bäcker– und Konditor Ehepaar Günter und Helga Klein das Höttchen übernahmen und die Planung des Architekturbüros Dr. Bruno Wasser, Isenburg, nach einem Entwurf von Yvonne Heiermann verwirklichten. Unter der tatkräftigen Bauleitung von Michael Rijntes aus dem gleichen Planungsbüro wurde ein neuer Anbau errichtet, sich gegenüber dem historischen Bauwerk rezessiv zeigt und unterordnet. Vor allem blieb der Biergarten erhalten und erfuhr eine neue Qualitätssteigerung. Bedingt durch die langfristige Anpachtung des Lokals durch die bekannte Dom-Brauerei und Übernahme des völlig restaurierten und neu gestalteten Lokals durch die erfahrenen Gastronomen Ribaric und Martinac ist der weitere Bestand des Baudenkmals und die dauerhafte Nutzung als historische Gaststätte endgültig gesichert.

Als die Ära, Dom-Brauerei, samt Pächter zu Ende ging, übernahmen zwei waschechte, junge Dellbrücker das Wirtshaus „Em Höttche“. Mit einer Rarität unter den Kölschsorten, eröffneten Dirk Kleber & Jörg Müller, das historische Wirtshaus mit Päffgen-Kölsch vom Fass. Dem Eröffnungstag, 18. August 2005, gingen Wochen der Renovierung und Erneuerung voraus. Die komplette Küche wurde erneuert. Der Schankraum bekam ein neues, auf ein kölsches Wirtshaus abgestimmtes, Ambiente. Die gesamte Einrichtung, in dunkler Eichenoptik, wurde durch die Firma Manfred Siebenmorgen, Dellbrück, geschaffen und montiert. Das begehrte Päffgen-Kölsch wird vorzugsweise aus alten Holzfässern gezapft und in einem einsichtbaren Tageskühlschrank auf der richtigen Temperatur gehalten.

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